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/ Rügen erleben & MEHR WISSEN nicht nur über Rügen / © Fotos und Texte: Dr. Wolfgang Urban (ur)

Neue Vielfalt der Piraten: Silvesterparty "Auf Seemann, Tod und Teufel" in Grevesmühlen, Piraten im Indischen Ozean, Störtebeker auf Rügen und Klimapiraten in Kopenhagen

13. Dezember 2009 Deutschland / Somalia und Dänemark (ur): Silvester mit Piraten verbringen? Ein eindeutiges und vielleicht sogar ängstliches NEIN wird jetzt wohl auf Yachten und sogar größeren Schiffen in der Reichweite der Piraten von Somalia ertönen. Ganz anders sieht das am Ufer der Ostsee aus. Hier laden die Akteure eines anderen Piraten-Daseins in aller Öffentlichkeit unter dem Motto "Auf Seemann, Tod und Teufel" zur zünftigen Silvesterparty in die Piraten-Kneipe "Zur Schatzinsel" auf dem Gelände des Piraten Open Air Theaters Grevesmühlen bei Wismar ein.

In der Ankündigung dieser Silvester-Party am 31. Dezember 2009 in Grevesmühlen teilen die Veranstalter in der Piraten-Sprache mit, dass es "zum Start für jedes Weibsbild eine Flasche Sekt und für jeden Kerl eine Flasche Rum" geben werde. Auch ein "Großes Piraten-Buffet mit unglaublichen Spezialitäten aus dem karibischen Raum" und ein.Begrüßungscocktail „Isla de Pinos“ erwarte die Gäste.

Das neue Grevesmühlener Piratendasein knüpft also nicht an die lokale Geschichte von Seeräubern in der Ostsee an, sondern an die weltweite Geschichte der Piraterie. Das unterscheidet die Vermarktung der Seeräuber-Geschichte im mecklenburgischen Grevesmühlen von den Störtebeker-Festspielen in Ralswiek auf der Ostsee-Insel Rügen. Allerdings geht auch hier der Blick bei der Suche nach immer wieder neuem Stoff für die jährlichen Festspiele inzwischen über die Grenzen der Ostsee-Piraterie hinaus.

"Störtebekers Gold / Der Fluch des Mauren" heißt das Piraten-Stück, das vom 19. Juni bis 4. September 2010 am Ufer des Großen Jasmunder Boddens mit von Koggen anlandenden Piraten gespielt wird. In Grevesmühlen steht indes vom 18. Juni bis 5. September 2010 "Piraten vor Cartagena" auf dem Programm und damit die nächste Episode der "Schicksalhaften Begegnungen des Capt´n Flint". Während die Promoter des Piratendaseins in Grevesmühlen die mecklenburgische Stadt gerne zu "Europas heimlicher Piratenhauptstadt" machen möchten, wären viele im fernen Somalia froh darüber, wenn man das Image eines Piraten-Nestes verlieren würde und vor allem die üblen Zustände verschwinden, auf denen das Piraten-Dasein basiert. Vielleicht kann man den jetzigen Piraten ja mit der Vermarktung ihres Seins auf Naturbühnen am Indischen Ozean eine neue Verdienstquelle bieten. Dergleichen Sprung von der alten Welt der Piraterie in die Moderne würde auch den deutschen Steuerzahler entlasten, wenn die Kosten für den Einsatz der Deutschen Marine bei der Piratenjagd am Horn von Afrika eingespart werden könnten.

Es gibt indes nicht mehr nur die Piraten, die vor allem aus dem Elend der Wirklichkeit rekrutiert werden, und die Vermarktung des Piraten-Daseins auf der Bühne. Jüngst wurde auch eine neue Art von Piraten geboren. Sie nennen sich Klima-Piraten, auch Klimapiraten geschrieben. In einem Eintrag auf ihrer Internetseite heißt es datiert auf den 11. Dezember 2009, 19.07 Uhr:

JubelJubelJubelJubel!!. Wir wurden gerade fuer unseren Erfolg von GreenpeaceChef Kumi Naidoo umarmt...

Worauf der Jubel basiert erklärt der Eintrag vom gleichen Tag um 16.50 Uhr:

Wer hätte das geglaubt? Kurz vor unserer Übergabe von über 4000 Unterschriften bei DONG Energy in Kopenhagen kommt die große Nachricht: Das Kohlekraftwerk Lubmin wird nicht gebaut!!! Vor Glück können wir es noch kaum fassen, DONG Energy setzt tatsächlich in Zukunft auf Erneuerbare Energien!

Das wird eine lange Nacht bei den Klimapiraten und die nächsten Tage werden wohl auch noch groß! Vielen, vielen Dank an alle Unterstützer - hoch die Tassen!

Viele, die am Klimaschutz und am Tourismus interessiert sind, jubeln seit dieser Zeit vor allem in der Region Rügen-Greifswald-Lubmin. Aber auch wo die neue Spezies der Klimapiraten und deren Anhang einen Sieg bejubelt, gibt es Verlierer. Das Piraten-Dasein ist nun einmal mit Kampf verbunden und der kennt Gewinner und Verlierer.

Michael Roolf, Vorsitzender und wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern, erklärt nach dem Rückzug von Dong-Eergy vom Baum eines Steinkohlekraftwerkes in Lubmin:

Heute ist ein schwarzer Tag für die Menschen in M-V. Mit seinen Äußerungen, gerade erst wieder anlässlich der SPD-Tagung zu erneuerbaren Energien vor wenigen Wochen, hat der Ministerpräsident wahrscheinlich maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Dong-Energy nun zurückzieht. Die SPD kann sich diesen „Erfolg“ im Kampf gegen den wirtschaftlichen Aufschwung in unserem Land ganz persönlich zurechnen.

Meine Fraktion hat mehrfach und nachdrücklich vor den Wirkungen der ständigen politischen Äußerungen hinsichtlich des Kraftwerkbaus gewarnt und auf die notwendige Zurückhaltung gepocht. Ob, wann, in welchem Umfang und mit welchen Auflagen ein Kohlekraftwerk gebaut worden wäre, hätte allein das Genehmigungsverfahren zeigen müssen. Dieses Verfahren war offensichtlich nicht gewollt.

Die SPD hat die Folgen zu verantworten. Das Ausbleiben einer Milliardeninvestition, hunderte Arbeitsplätze beim Bau und beim Betrieb des Kraftwerkes, sowie eine starke Position unseres Landes als Lieferant eines wichtigen Bestandteiles des noch immer notwendigen Energiemixes.

Die Begründung der Absage ist ein harter Schlag ins Gesicht der Betroffenen. Unabsehbar sind auch die Zukunftsfolgen. Die Nachricht lautet: Investoren sucht sich die SPD lieber selber aus und der Anspruch auf ein rechtsstaatliches Genehmigungsverfahren wird in Mecklenburg-Vorpommern nicht ernst genommen. Zukünftig werden sich Investoren im Industriebereich noch genauer überlegen, ob sie sich auf dieses riskante und teure Spiel einlassen werden. Bei diesem Agieren kann ich nur sagen, Gute Nacht Mecklenburg-Vorpommern.

Das wird man heute u.a. im Südosten von Rügen ganz anders sehen, wenn um 13 Uhr in der Fischerklause von Thiessow die Siegesfeier von Bürgern beginnt, die sich gegen den Bau des Steinkohlekraftwerkes in Lubmin zur Wehr setzten. Diese News wurde also nach Mitteleuropäischer Zeit in den Morgenstunden geschrieben und endet jetzt nach dieser Zeitberechnung um 8.15 Uhr mit den besten Wünschen für einen guten Tag. Fernab von hier beginnt die Nacht in einer globalisierten Welt, die so viele unterschiedliche Piraten kennt...

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