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/ Rügen erleben & MEHR WISSEN nicht nur über Rügen / © Fotos und Texte: Dr. Wolfgang Urban (ur)

Der Wandel der deutschen Medienwelt und weitere Rügen des Deutschen Presserates

12. Dezember 2009 Deutschland (ur): Nicht nur in der Welt, über die die Medien berichten gibt es News zu Veränderungen und neuen Gegebenheiten. Gerade auch in der deutschen Medienwelt selbst ist in diesem Jahr sehr viel passiert, was Ausdruck einer langfristigen Entwicklung des Wandels ist. Nur die Leser der Zeitungen und Zeitschriften sowie die Nutzer von deren Online-Angeboten werden in der Regel von den unmittelbar Betroffenen und Akteuren des medialen Wandels in deren eigenen Medien kaum etwas davon erfahren.

Wer ein wenig hinter die Medien-Kulissen schauen möchte, dem sei ZAPP, das Medienmagazin des NDR, empfohlen.

Die nächste ZAPP-Sendung im N3 wird am 16.12.2009 um 23.05 Uhr ausgestrahlt und hat den Titel "Von Boulevardschlachten über Rosenkriege bis hin zu den Image-Kampagnen der Polit-Szene - Zapp blickt hinter die Kulissen der Medienwelt."

Die jüngste ZAPP-Sendung wurde am 9. Dezember ebenfalls ab 23.05 Uhr ausgestrahlt und hatte den Titel
"Die Krise der Verlage". Zu hören war u.a.:

Eine Branche ist im Schockzustand. Über 350 Jobs wurden allein bei Gruner & Jahr gestrichen, Europas größtem Zeitschriftenhaus...

... beim größten deutschen Zeitungshaus, beim Axel-Springer-Verlag, protestieren die Mitarbeiter... 52 Jahre alt sind die Aussortierten beim Hamburger Abendblatt im Schnitt. Ihre Arbeit machen jetzt andere, neu eingestellt. ... Springer macht 260 Millionen Euro Gewinn in diesem Jahr. Auf einer Betriebsversammlung im November aber erklärt Vorstandschef Mathias Döpfner, der Verlag müsse sparen

Über die Süddeutsche Zeitung (SZ) hieß es in dieser ZAPP-Sendung u.a.:

Auch die SZ selbst ist in die Schusslinie geraten. Leser verliert sie keine, die Auflage ist stabil. Doch wegen ausbleibender Anzeigen und Werbung fehlen 60 Millionen Euro Umsatz. Und der Süddeutsche Verlag hat seit dem vergangenen Jahr neue Eigentümer mit neuen Sparvorgaben. 30 Stellen stehen auf der Kippe, heißt es. Genaue Zahlen sind geheim. Nur Insider kennen sie...

Und wie sieht es bei den DuMont-Blättern aus? Dazu ZAPP:

Die Berliner Zeitung gehört seit Mitte des Jahres zur DuMont-Gruppe. Erstmals hat es jetzt betriebsbedingte Kündigungen gegeben - für 14 Online-Journalisten der Netzzeitung. Ob auch Print-Kollegen gehen müssen, ist noch unklar. Doch schon jetzt hat sich für die Journalisten einiges verändert. Die Berliner Zeitung kooperiert mit den anderen DuMont-Blättern: Frankfurter Rundschau, Kölner Stadtanzeiger und Mitteldeutsche Zeitung. Den Wissenschaftsteil der Frankfurter Rundschau übernimmt neuerdings die Berliner Zeitung...

Widerspruchslos dürfte die Feststellung in der ZAPP-Sendung bleiben:

Die fetten Jahre der Verlage sind für immer vorbei... Wenn die Rendite den Verlagen wichtiger ist als Redakteure, wenn Rechnen mehr zählt als Recherche, dann ist jeder Kampf für guten Journalismus schon verloren.

Wer jetzt erstmals etwas von dieser ZAPP-Sendung erfährt und neugierig geworden ist, braucht sich nicht zu ärgern, dass er die Sendung verpasst hat. Zum Glück ist in der Krise der Medienwelt auch schon so manch Neues geboren worden. Dazu gehört die Auffindbarkeit von ZAPP-Sendungen im Internet nach dem eigentlichen Sendetermin. Zumindest bei Redaktionsschluss dieser News war die oben genannte Sendung noch mit dem folgenden Link frei zu erreichen: Krise der Verlage Unterhalb des Textes auf dieser Seite kann man das Video starten.

Einem besonders markantem Thema des Wandels in der Medienwelt widmete sich ZAPP am 30. November 2009 mit dem Titel: "Die PR-Branche und ihre Tricks". Einführend hieß es dazu:

Es ist ein Herzensthema von Zapp. Public Relations, kurz PR. Werbung, die hübsch unauffällig als Journalismus verpackt ist. Mittlerweile erscheint sie so selbstverständlich und ist so perfekt platziert, dass sie kaum zu enttarnen ist und dass sich kaum einer darüber aufregt. Wir schon. Denn auf einen PR-Profi kommen nur noch zwei Journalisten. Zapp über die miesen Methoden einer boomenden Branche.

Wer bei PR indes nur an Wirtschaft und die Werbung für Produkte sowie Leistungen denkt, der irrt. Nach entsprechenden Recherche-Beiträgen heißt es in der ZAPP-Sendung u.a.:

Politiker und PR-Profis als Komplizen bei der täglichen Inszenierung: Unabhängige Journalisten stören da nur... Die Lügen werden zur Wahrheit. Umso wichtiger ist es, dass kritische Journalisten sie immer wieder hinterfragen und entlarven.
....
Gleich am Anfang ist zu Fernsehbildern dieser ZAPP-Sendung u.a. der folgende Text zu hören:

Mit Tränen sollte die Weltöffentlichkeit auf den Golfkrieg eingestimmt werden. Eine angebliche Augenzeugin aus Kuwait: „Ich habe im Krankenhaus gesehen, wie irakische Soldaten Säuglinge aus den Brutkästen gerissen haben, um sie auf dem kalten Fußboden sterben zu lassen.“ Doch der dramatische Auftritt war ein Schauspiel, inszeniert von einer PR-Agentur. Die Geschichte von den herausgerissenen Babys eine Lüge. Auch Fernsehbilder von einem Selbstmordanschlag in einer kalifornischen Kleinstadt sind täuschend echt. Doch später wird klar: Deutsche PR-Profis haben mit dieser Aktion Reklame für einen Kinofilm gemacht. Und sogar in den Nachrichten kommen Inszenierungen vor. So berichteten die Tagesthemen...

Mehr dazu mit diesem Link zur ZAPP-Sendung: Die PR-Branche und ihre Tricks

In der Sendung kommen auch die folgenden besonders nachdenkenswerten Worte vor:

Eine Branche boomt, Public Relations. Sie erfindet Bilder und Geschichten, um die öffentliche Meinung zu manipulieren, und zwar so, dass niemand es merkt, getarnt als Information... Verschleiern, tricksen und tarnen: Die PR-Profis der Bahn unterwanderten auch Blogs und Internetforen von Zeitschriften und Zeitungen. Zukunftmobil war einer ihrer Usernamen, unter dem sie dreist für die Bahnprivatisierung warben. Kein Leser wusste, dass diese vermeintlich unabhängigen Blogger hier für die Bahn unterwegs waren...

Auch dazu mehr mit diesem Link zur ZAPP-Sendung: Die PR-Branche und ihre Tricks

Die "vermeintlich unabhängigen Blogger" in der oben erwähnten ZAPP-Sendung künden von einer Schwachstelle im Internet, die einst mit dem Missbrauch von freien Zugängen zu Gästebüchern von Internetseiten begann und jetzt in der Blogger-Szene als Problem angelangt ist: Die Kehrseite von Freiheits-Spielräumen im Internet sind ihre Möglichkeiten des Missbrauchs. Das betrifft auch die Verbreitung von Scheinwahrheiten im Mantel von News und Infos im Internet sowie die dortige Verletzung von Persönlichkeitsrechten.

Letzteres beschäftigte vor kurzem auch wieder den Deutschen Presserat. Dazu teilte er am 3. Dezember 2009 mit, dass er "BILD-Online eine nicht-öffentliche Rüge für die Berichterstattung über ein Familiendrama" erteilt habe. In ihrer vierten Sitzung in diesem Jahr haben die beiden Beschwerdeausschüsse des Deutschen Presserats am 1. und 2. Dezember 2009 insgesamt sechs Rügen ausgesprochen. Diese Rügen verlängerten die Chronik der Rügen des Deutschen Presserates, die Sie mit dem folgenden Link finden: Chronik der Rügen des Deutschen Presserates. BILD und BILD-Online sind in der Chronik der Rügen des Jahrs 2009 mehrfach vertreten.

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