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/ Rügen erleben & MEHR WISSEN nicht nur über Rügen / © Fotos und Texte: Dr. Wolfgang Urban (ur)

Barak Obama und die Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo:
Ein Nobelpreisträger im Spannungsfeld des Meinungsstreits über Krieg und Frieden.

News vom 10. Dezember 2009 Norwegen / Oslo (ur). Der heutige Tag wird als ein ganz besonderer Tag in die Geschichte der Verleihung des Friedensnobelpreises in der norwegischen Hauptstadt Oslo eingehen. Noch nie versammelten sich so viele Norweger in den Abendstunden auf dem freien Platz vor dem Osloer Grand Hotel, um einen auf den Balkon des Hotels tretenden Friedensnobelpreisträger zu bejubeln. Aber wer bis hier kam, gehörte nicht zu den Demonstranten, die gegen die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barak Obama demonstrieren wollten. Dabei war er wohl auch bei vielen dieser Norweger noch vor einem Jahr ein Hoffnungsträger auf dem Weg zur Beendigung von Kriegen.

Doch am 1. Dezember kündigte US-Präsident Barack Obama bei der Vorstellung der neuen Afghanistan-Strategie in der Militärakademie West Point die Entsendung von weiteren US-Soldaten nach Afghanistan an. Ein Mann, der wusste, dass er neun Tage später den Friedensnobelpreist erhalten würde, sagte u.a.

... als Oberbefehlshaber habe ich entschieden, dass es in unserem vitalen nationalen Interesse ist, zusätzlich 30.000 U.S. Truppen nach Afghanistan zu entsenden. Nach 18 Monaten wird der Abzug unserer Truppen und ihre Rückkehr nach Hause beginnen. Das sind die Ressourcen, die wir brauchen um die Initiative ergreifen zu können, während wir die afghanischen Kapazitäten aufbauen, die dann einen verantwortungsvollen Abzug unserer Streitkräfte aus Afghanistan möglich machen werden.

Die vollständige Rede Obamas war zumindest noch bei Redaktionsschluss dieser News in deutscher Übersetzung auf der folgenden Seite des Weißen Hauses zu finden:

http://www.whitehouse.gov/sites/default/files/091201-obama-afghanistan-speech-german.pdf

In dieser Rede zur Verstärkung der Truppen in Afghanistan sagte Barak Obama u.a.:

"Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich war gegen den Krieg im Irak, eben weil ich der Meinung bin, dass wir in der Anwendung militärischer Gewalt Zurückhaltung üben und immer die langfristigen Folgen unserer Handlungen überdenken müssen..."

Angesichts des aktuellen Kriegsgeschehens wurden noch nie in der Geschichte des Friedensnobelpreises am Tag der Preisverleihung vom Nobelkomitee und dem Preisträger so viele Worte gesagt, die wohl eindeutig als Rechtfertigung für die Verleihung des Friedensnobelpreises und dessen Entgegennahme interpretiert werden können. "Der wohl kritischste Punkt", so Barak Obama, "ist die Tatsache, dass ich der Oberkommandierende eines Landes bin, das sich mitten in zwei Kriegen befindet." Der eine dieser Kriege gehe langsam zu Ende sagte er mit Anspielung auf den Krieg im Irak. Zum Krieg in Afghanistan verwies Barak Obama darauf, dass an diesem Konflikt neben den USA weitere 43 Länder beteiligt sind, darunter auch Norwegen.

Wann hat ein Friedensnobelpreisträger je bei einer Preisverleihung gesagt:

"Wir befinden uns im Krieg, und ich bin verantwortlich für die Entsendung von tausenden jungen Amerikanern zum Kampf in einem fernen Land. Einige von ihnen werden töten. Einige werden getötet werden. Und so stehe ich hier im vollen Bewusstsein, welchen Preis ein bewaffneter Konflikt verlangt..."

Barak Obama sprach dann über das alte und immer wieder heiß in der Friedensbewegung und bei Rechtfertigung von Kriegen diskutierte Konzept eines „gerechten Krieges“ und auch darüber, dass Kriege zwischen den Staaten zunehmend Kriegen innerhalb eines Staates gewichen seien. Dabei verwies er auch darauf, dass in heutigen Kriegen sehr viel mehr Zivilpersonen getötet werden als Soldaten und damit die Saat für künftige Konflikte ausgestreut werde. Am Tag der Verleihung des Friedensnobelpreises könne er, so Obama keine Patentlösung für das Kriegsproblem vorlegen. Er wisse aber, "dass wir neu nachdenken müssen über das Konzept eines gerechten Kriegs sowie auch eines gerechten Friedens".

Dann folgten die Worte, die von einem alten ungelösten Meinungsstreit auf dem Weg von Krieg und Frieden künden und wohl künftig vor allem in der Friedensbewegung äußerst kontrovers diskutiert werden dürften:

"Wir müssen die harte Wahrheit akzeptieren, dass wir gewaltsame Konflikte zu unseren Lebzeiten nicht aus der Welt schaffen werden. Es wird Zeiten geben, in denen Staaten – ob einzeln oder im Verbund mit anderen – die Anwendung von Gewalt nicht nur als notwendig, sondern als moralisch gerechtfertigt betrachten werden."

Das sind nicht die Worte eines "Kriegspräsidenten", also eines Mannes der den Krieg verteidigt, sondern eines Friedensnobelpreisträgers mit Friedenswünschen inmitten des Dilemmas von Kriegen, der nach Wegen in eine friedlichere Welt sucht und sogar sagt: "Ich weiß, dass es in der Überzeugung und der Lebensweise von Gandhi und King keine Schwachpunkte, keine Passivität und keine Naivität gibt. Aber als Staatschef, der zum Schutz und zur Verteidigung seines Landes verpflichtet ist, kann ich mich nicht allein von ihrem Beispiel leiten lassen. Ich muss die Welt sehen, wie sie ist, und ich kann angesichts der Bedrohung des amerikanischen Volkes nicht tatenlos bleiben. Machen wir uns nichts vor: Das Böse existiert in der Welt. Eine gewaltfreie Bewegung hätte Hitlers Wehrmacht nicht aufhalten können. Verhandlungen können die Anführer von Al Kaida nicht dazu bringen, ihre Waffen niederzulegen. Die Feststellung, dass Gewalt manchmal notwendig ist, ist kein Aufruf zum Zynismus – sie ergibt sich aus der Beobachtung der Geschichte, der Unzulänglichkeiten des Menschen und der Grenzen der Vernunft." UND dennoch versuchte Obama einen Weg zu einem dauerhaften Frieden in der Welt aufzuzeigen. Wenn man ihn wolle, dann müsse das Wort der internationalen Staatengemeinschaft mehr Gewicht bekommen. Regime, die die Regeln verletzen, müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Sanktionen müssten wirken. Bei Unnachgiebigkeit müsste der Druck verstärkt werden. Diese Druckausübung im Dienste des Friedens sei nur möglich, wenn die Welt vereint dahinter stehe.

Als konkretes Beispiel auf dem Weg in eine friedlichere und sichere Welt sprach Obama die Bemühungen um eine Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen an, um sie letztendlich ganz zu verbannen.

Obama ging dann auch darauf ein, dass man sich beim Nachdenken über den Frieden über die Art des Friedens im klaren sein müsse, den man anstrebt. Frieden sei nicht nur die Abwesenheit von sichtbaren Konflikten: "Nur ein gerechter Friede, der sich auf die Grundrechte und die Würde eines jeden Einzelnen gründet, kann wirklich nachhaltig sein." Ein gerechter Friede umfasse zudem nicht nur Bürgerrechte und politische Rechte – er müsse auch wirtschaftliche Sicherheit und Chancen bieten. Ein wahrer Friede bedeute nicht nur Freiheit von Angst, er bedeute auch Freiheit von Not.

Barak Obama hat sich mit dieser Rede erneut als Hoffnungsträger auf dem Weg in eine friedlichere und sichere Welt präseniert. Ganz in diesem Sinne verlieh das Nobelkomitee auch den Friedensnobelpreis an ihn.

Vollständige Rede von Barak Obama bei der Verleihung des Friedensnobelpreises:

http://www.whitehouse.gov/the-press-office/remarks-president-acceptance-nobel-peace-prize:

Weitere News zum Friedensnobelpreis nach der News vom 10. Dezember 2009:

11. Dezember 2009 Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barak Obama im Spiegel deutscher Zeitungen

 

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