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/ © Fotos und Texte: Dr. Wolfgang Urban (ur)
Angela Merkel auf der Insel Hiddensee und der darüber verbreitete Blödsinn
Editorial (ur): Am 20. September 2010 erschien auf der Seite 2 der in Mecklenburg-Vorpommern erscheinenden Tageszeitung OZ ein Leserbrief zur Haushaltsdebatte im Bundestag, in dem u.a. zu lesen war:
Die Kanzlerin erwartet, dass die Abgeordneten ihren Ausführungen folgen, aber sie selbst "quatscht" mit anderen Abgeordneten, während Abgeordnete der Gegenparteien reden. Das ist unanständig und einer Kanzlerin nicht würdig. Wie auch die kürzliche Fahrt der "Öko-Kanzlerin" über Hiddensee (Autofreie Insel). Sie lässt sich mit ihrer Panzerlimousine umherkutschen, während schwer behinderten Bürgern keine Ausnahmegenehmigungen zur Nutzung eines PKW erteilt werden und sie mit dem Rollstuhl über die Insel geschoben werden müssen."
EMPÖREND oder? Vorsicht Falle! Das zum Aufenthalt von Angela Merkel auf Hiddensee Behauptete ist kompletter Blödsinn. Ich fuhr als Journalist mit ihr im Wassertaxi von Schaprode auf Rügen nach Kloster und nach ihrem Arbeitsaufenthalt von dort mit ihr wieder nach Schaprode. Zu keinem Zeitpunkt ist sie während ihres Aufenthalts auf Hiddensee in ein Auto gestiegen. Sie war zu Fuß auf der Insel unterwegs. Mehr dazu im folgenden Artikel.
Die Wahrheit über Angela Merkels Aufenthalt auf der Insel Hiddensee
am 13. September 2010 und der darüber anschließend verbreitete Blödsinn
Artikel und Fotos von Wolfgang Urban
Kloster auf der Insel Hiddensee. Mit dem Titel „Politiker hört die Signale“ war am 9. September 2010 in der Wochenzeitung DIE ZEIT u.a. zu lesen:
Offenbar verspüren immer mehr Menschen, die sich selbst durchaus als verantwortungsbereite Bürger wahrnehmen, eine Entfremdung von der Politik und den Medien. Sie haben das Gefühl, dass ihre Erfahrungen und Probleme von den politischen Repräsentanten entweder gar nicht gesehen oder willentlich ignoriert werden – oder schlimmer noch, dass man sie ihnen wegpädagogisieren will.
Angesichts einer solch finsteren Lagebeschreibung der Nation wirkt das, was am 13. September 2010 in den Abendstunden auf Hiddensee zu erleben war, wie eine Sternstunde der Demokratie. Nachdem die letzten Tagestouristen Hiddensee mit den Schiffen verlassen hatten, kam Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Wassertaxi im Hafen von Kloster an, also nicht in Vitte wie in der OZ einen Tag später behauptet wurde. Sie benutzte auch kein Auto auf Hiddensee, sondern ging ausschließlich zu Fuß durch das abendliche, vom Tagestourismus befreite Kloster. Dennoch wurde am 14. September 2010 auf Seite 2 der OZ in einem Leserbrief behauptet:
Bravo, Frau Öko-Kanzlerin Dr. Merkel, nachdem die Regierung dem Diktat der Energiekonzerne zur Maximierung der Gewinne zustimmte, ließen Sie sich in Ihrer gepanzerten Limousine auf der autofreien Insel Hiddensee umherkutschieren. Gut der Anlass war wichtig, es ging um Wahlkampfhilfe für einen in die Kritik geratenen Lokalpolitiker...
Der Leser bezog sich auf einen Artikel in der OZ vom 11./12.9.2010 mit dem Titel "Merkel startet Wahlkampf auf Hiddensee". In diesem war allerdings nicht behauptet worden, dass Angela Merkel mit einer gepanzerten Limousine über Hiddensee fuhr. Dort stand, dass Angela Merkel am Abend auf Hiddensee anreiste und:
Bereits am Nachmittag war ihre gepanzerte Limousine auf die eigentlich autofreie Insel gebracht worden. Merkel selbst reiste mit dem "Wassertaxi" von Schaprode nach Vitte. Zuvor hatte sie in Berlin noch den ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan getroffen - von der großen Welt in die Niederungen der Kommunalpolitik. Nach einer Diskussion mit geladenen Gästen ging es zurück nach Berlin...
Ich stieg mit Angela Merkel nicht in Vitte aus dem Wassertaxi, sondern in Kloster und ihr Weg führte sie auch nicht direkt von Kofi Annan nach Hiddensee. Sie kam vielmehr mit ihrem Dienstwagen in Schaprode an, nachdem sie am Kreisparteitag der CDU in Stralsund teilgenommen hatte. Dort sagte sie laut ZAS (Zeitung am Strelasund):
Immer wenn es sich einrichten lässt, will ich meinen Wahlkreis besuchen. Heute werde ich noch nach Hiddensee fahren und den dortigen CDU-Kandidaten für das Bürgermeisteramt in seinem Wahlkampf unterstützen.
Das tat sie auch, allerdings nicht im Eiltempo mit gepanzerter Limousine. Sie rauschte nicht mit dem Auto vom Hafen zum Wahlkampflokal, sondern absolvierte auf dem Weg dorthin einen Spaziergang mit vielen Gesprächen. Es war der Wunsch von Angela Merkel, bei ihrem Arbeitsbesuch auf Hiddensee mit Hiddenseern ins Gespräch zu kommen, um sich über die Situation der Einheimischen zu informieren, denn Hiddensee gehört zu ihrem Wahlkreis als CDU-Bundestagsabgeordnete. Ganz in diesem Sinne wurde ihr Aufenthalt von der Hiddenseer CDU vorbereitet. Daher war es ganz in ihrem Interesse, dass Susan Huß in der „Klostermuschel“ gleich nach der freundlichen Begrüßung über das sprach, was nicht nur sie, sondern viele Hiddenseer in kritischer Weise bewegt: Die Preispolitik der Reederei Hiddensee und weitere Probleme mit der Reederei vor allem im vergangenen Winter. Angela Merkel wollte wissen, was auf Hiddensee los ist. Immer wieder fragte sie nach dem, was die Hiddenseer bewegt.

Links Susan Huß. Rechts außen Angela Merkel und neben ihr Thomas Gens. Foto: Wolfgang Urban
Angela Merkel besuchte beim Spaziergang durch Kloster auch Mirko Pehl in seinem Fahrradverleih und Henry Engels in der Bernstein Werkstatt Hiddensee. Vor dem Inselmarkt angekommen, sagte Ladenbesitzer Michael Bach „Guten Abend Frau Dr. Merkel“ und fügte fragend hinzu: „Wollen Sie mal bei mir reinschauen?“ Sie folgte der freundlichen Einladung und im Laden wurde über die Versorgungslage auf Hiddensee gesprochen.

Angela Merkel und Michael Bach am 13. September 2010 in Kloster auf Hiddensee. Foto: Wolfgang Urban
Von Angela Merkel nach der Situation im vergangenen Winter befragt, kritisierte Ladenbesitzer Michael Bach, dass es in der schwierigen Lage, leider eine mangelnde Bereitschaft gab, Verantwortung zu übernehmen und schnelle Entscheidungen zu treffen. Er hofft jetzt, dass für den nächsten Eiswinter eine bessere Vorsorge getroffen ist. Zugleich wollte er nicht nur Kritisches benennen und betonte, dass es auf Hiddensee vor allem sehr schön ist und sich ein Besuch zu jeder Jahreszeit lohnt. Dazu bedarf es der entsprechenden Infrastruktur und auch der Entscheidungsträger, die gerade in Notsituationen schnell und effektiv handeln.
Angesichts der schlechten diesbezüglichen Erfahrungen auf Hiddensee war es kein Wunder, dass Angela Merkel mehrfach aus unterschiedlichster Sicht während ihres Hiddensee-Besuches auf die Wintersorgen der Hiddenseer aufmerksam gemacht wurde. Das war auch während der Veranstaltung in der Gaststätte und Pension „Wieseneck“ der Fall, zu der Merkels Spaziergang durch Kloster führte. Hier waren nicht nur CDU-Mitglieder versammelt, sondern vor allem Gewerbetreibende und Neuendorfer. Letztere machten darauf aufmerksam, dass sich für die Einheimischen auf den Neuendorfer Grundstücken durch die Haltung der Hansestadt Stralsund eine unheilvolle Situation ergeben habe. Geschildert wurde eine kaum vorstellbare Arroganz im Umgang mit den Hiddenseern. Mehrfach wurde von Hiddenseern auch das Amt West-Rügen heftig kritisiert. Dabei entstand der Eindruck, dass sich das Amt bürgerfern und bürokratisch verhält. Kritisch wurden zudem die Lage der Fischerei und Nationalparkprobleme angesprochen.
Angela Merkel erwies sich bei all dem als geduldige Zuhörerin. Sie verdeutlichte, wo die Zuständigkeiten liegen und in welcher Weise sie versuchen will, den ihr möglichen Einfluss auszuüben, um zu helfen. Sachlich und illusionslos machte sie dabei jedoch auch die Grenzen ihrer Möglichkeiten bewusst, aber zugleich den Willen, zumindest vermittelnd helfen zu wollen. Bei so manch einem Problem verwies sie darauf, dass es lösbar ist, wenn die Zuständigen in den Verwaltungen begreifen würden, dass sie Dienstleister für die Bürger sein müssen und wenn die richtige Politik gemacht wird. Dazu bedarf es der entsprechenden Mehrheit, betonte Thomas Gens, der zu diesem Zeitpunkt der Bürgermeisterkandidat der CDU bei den Kommunalwahlen am 19. September auf Hiddensee war. Dabei ging er u.a. auch auf das Problem ein, dass Hiddensee einen Rettungshubschrauberlandeplatz braucht und man nicht nur „Ja“ dazu sagen darf, sondern sich dafür energisch einsetzen muss. Er benannte weitere Themen, zu denen er sich immer wieder kritisch geäußert habe, aber ohne eine Mehrheit in der Gemeindevertretung nichts verändern kann.
Diese Mehrheit erreichte Thomas Gens im Ergebnis der Kommunalwahlen auf Hiddensee am 19. September 2010.
Am 13. September 2010 ging Angela Merkel nach der politischen Veranstaltung in Kloster zu Fuß zum Hafen. Sie fuhr von dort mit dem Wassertaxi nach Schaprode auf der Insel Rügen. Dort stieg sie in ihr Dienstauto.
Es entspricht also nicht der Wahrheit, dass sie sich an diesem Tag auf Hiddenseemit ihrer Panzerlimousine umherkutschen ließ. Kommentar: Auch wenn man zur Politik der Bundeskanzlerin eine kritische Haltung hat, sollte man die Diskussion dazu sachlich führen und nur das verbreiten, von dem man weiß, dass es die Wahrheit ist! Wenn Ihnen also jemand erregt erzählt, dass sich Angela Merkel mit einer gepanzerten Limousine auf der autofreien Insel Hiddensee umherkutschieren ließ, dann machen Sie bitte auf die Wahrheit aufmerksam.
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Hiddensee, Fakten zur Kommunalpolitik
Die Gemeinde Seebad Insel Hiddensee gehört verwaltungsmäßig zum Landkreis Rügen. Am
19. September 2010 fand die Wiederholungswahl zur Gemeindevertretung und für das Amt des Bürgermeisters statt.
Bei der Direktwahl des Bürgermeisters siegte Thomas Gens (CDU) gegen den früheren Amtsinhaber Manfred Gau (BfH – Bürger für Hiddensee). In der Gemeindevertretung hat die CDU jetzt mit dem Bürgermeister zusammen fünf der elf Sitze. Vier Gemeindevertreter stellt die BfH, die zwei Sitze gegenüber der letzten Kommunalwahl verlor. Die FWH (Freie Wähler Hiddensee) erhielt zwei Sitze. Im Ergebnis einer Beratung zwischen CDU und FWH am 20. September erklärte Thomas Gens:
„Wir haben beschlossen, dass CDU und FWH zusammenarbeiten werden, um für eine stabile Mehrheit in der Gemeindevertretung Hiddensee zu sorgen.“
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